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Helga Maser

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22.03.2006, 12:06
 

Vergesst den Breisgau nicht !

Eine Legende über den Ursprung des südbadischen Breisgaus, eine der Regionen unseres schönen badischen Landes.


Die Legende vom Brisigau (Teil1)
Eine Legende aus grauer Vorzeit

Vor vielen, vielen Jahren, als die Menschen noch überall auf die Stimmen in der Natur hörten und sich ihnen Elfen, Riesen, Zwerge und selbst die Tiere ohne Furcht näherten, da war auch der Name der Großen Göttin Freyja den Menschen in die Herzen geschrieben.
In jener Zeit also begab es sich, daß beim großen Mittsommerfest, die Sänger der verschiedenen Stämme einen Disput darüber führten, in welchem Land sich die Göttin wohl niederlassen würde, wenn diese sich auf der Erde einen Wohnsitz nähme. Nun war es aber so, daß ein jeder der Sänger, die Schönheit seiner Heimat pries und nur diese sich als die würdigste Wohnstatt für die Weltenmutter denken konnte. Deshalb fanden die Sänger, auch nach sieben Tagen, zu keiner Einigung. Schließlich schlug Bonemund vor, die weise Heidrun zu befragen. Die übrigen Sänger stimmten zu und so machten sie sich auf und ritten zum Heidrunshof.
Die alte Heidrun begrüßte die Sänger freundlich und lud sie zum Mahle ein. Nachdem alle satt und zufrieden waren, berichtete Bonemund der Weisen Frau vom Grunde ihres Besuches und bat sie um ihre Meinung. Die Alte dachte einige Zeit nach, dann forderte sie die Sänger auf, von ihrer jeweilige Heimat zu berichten. So besang der eine die ersten Sonnenstrahlen, die des Morgens, den Frühnebel über den Auen des großen Stromes durchdringen. Ein Anderer erzählte von der Schönheit der mächtigen Berge. Ein Dritter pries das weite Grasland und noch ein Anderer die dunklen, geheimnisvollen Wälder. Ein Weiterer trug eine Ode an das Land am weiten Meer vor und noch ein Anderer sang von den sanften Hügeln der mittleren Lande. Nachdem der letzte der Sänger geendet hatte, sahen alle erwartungsvoll zur Heidrun hin. Diese lies sich ein wenig Zeit, dann richtete sie das Wort an ihre Gäste: „Mir fällt es schwer zu sagen, welcher Gau, der Weltenmutter am würdigsten wäre. Sie alle sind von eigener, unvergleichlicher Schönheit. Ihre Beschreibung aus euren Mündern zu hören, erfreut mein Herz und weckt in mir die Sehnsucht, diese Länder zu bereisen um mit eigenen Augen deren Schönheit zu betrachten. Jedoch will ich keinem den Vorzug geben. Aber ich kann, wenn ihr es wünscht, Freyja in ihrem himmlischen Paradies besuchen und der Himmelskönigin selbst, eure Frage vortragen. Erfreut, baten die Sänger, die Alte dies doch zu tun.
So rief Heidrun, am nächsten Morgen nach dem Schwan Wiserich. Der Wanderer zwischen den Welten kam auch bald herbei geflogen und blendete die Sänger mit seinem leuchtenden weißen Gefieder. Die Weise Frau erklomm den Rücken des heiligen Tieres und lies sich von ihm in die Anderswelt, nach Epfelgard tragen.
Fortsetzung im nächsten Beitrag

Helga Maser

E-Mail

22.03.2006, 12:09

@ Helga Maser

Vergesst den Breisgau nicht ! 2

» Eine Legende über den Ursprung des südbadischen Breisgaus, eine der
» Regionen unseres schönen badischen Landes.
»

Die Legende vom Brisigau (Teil2)
Eine Legende aus grauer Vorzeit

Nachdem der letzte der Sänger geendet hatte, sahen alle erwartungsvoll zur Heidrun hin. Diese lies sich ein wenig Zeit, dann richtete sie das Wort an ihre Gäste: „Mir fällt es schwer zu sagen, welcher Gau, der Weltenmutter am würdigsten wäre. Sie alle sind von eigener, unvergleichlicher Schönheit. Ihre Beschreibung aus euren Mündern zu hören, erfreut mein Herz und weckt in mir die Sehnsucht, diese Länder zu bereisen um mit eigenen Augen deren Schönheit zu betrachten. Jedoch will ich keinem den Vorzug geben. Aber ich kann, wenn ihr es wünscht, Freyja in ihrem himmlischen Paradies besuchen und der Himmelskönigin selbst, eure Frage vortragen. Erfreut, baten die Sänger, die Alte dies doch zu tun.
So rief Heidrun, am nächsten Morgen nach dem Schwan Wiserich. Der Wanderer zwischen den Welten kam auch bald herbei geflogen und blendete die Sänger mit seinem leuchtenden weißen Gefieder. Die Weise Frau erklomm den Rücken des heiligen Tieres und lies sich von ihm in die Anderswelt, nach Epfelgard tragen.
Dort, inmitten der himmlischen Apfelhaine, die gleichzeitig blühen und Früchte tragen, erhebt sich Epfelhall, wo Freyja, umgeben von ihren, in prächtige Gewänder gekleideten Mägden, auf einem prächtigen Throne saß. Heidrun betrat die große Halle und wurde vor den Sitz der Himmelskönigin geführt. Als sie vor der Göttin stand, war sie, wie jedesmal, überwältigt von der Schönheit, Stärke und Güte, die Freyja ausstrahlte. Endlich faßte sie sich und trug der Weltenmutter das Anliegen der Sänger vor und berichtete auch, daß sie selbst sich nicht in der Lage fühle, diese Frage zu beantworten. Daraufhin sprach die Ewige: „Auch ich kann nicht sagen, welcher Ort mir am liebsten ist. Ich habe sie alle geschaffen und mit ihren jeweiligen Vorzügen ausgestattet. Auch tragen überall die Menschen meinen Namen in ihren Herzen. Wie könnte ich ein Land weniger lieben als ein anderes? Und doch habe ich einen Wunsch. Auch ich möchte einen Platz haben auf Erden, einen Gau, der mir besonders geweiht ist, eine Stadt, die meinen Namen trägt. Deshalb werde ich meinen heiligen Gürtel, das Brisinga men, auf die Erde werfen. Das Land welches das Brisinga men umschließt, wenn es auf die Erde trifft, soll meine Wohnstatt unter den Menschen werden.“ Nachdem die große Göttin so gesprochen hatte, nahm sie den Gürtel von ihren Hüften und schleuderte ihn zur Erde hinab. In weiten Kreisen umrundete das heilige Brisinga men die irdische Welt und berührte schließlich am Ufer des Rheines den Boden. Der Gürtel wandte sich den Fluß entlang, querte das ebene Land, schloß die schönsten Gipfel des rauhen Schwarzwaldgebirges mit ein um dann in einem weiten Bogen wieder auf die Wasser des Rheines zu stossen.
Vom himmlischen Epfelgard aus, verfolgten die Weltenmutter und die alte Heidrun den Flug des Brisinga men. Nachdem der goldene Gürtel seine Wahl getroffen hatte, betrachteten beide den Gau, welchen dieser umgrenzt hatte. Die Weise Frau konnte nicht umhin, die Schönheit und Vielfalt dieses Landes zu bewundern. Niemand hätte wohl eine bessere Wahl treffen können. Freyja rief die Riesen herbei und beauftragte diese, die Grenzen des heiligen Gaues mit Steinen zu kennzeichnen und ihr einen Tempel zu errichten. Heidrun aber, nahm Abschied von der ewigen Göttin, setzte sich auf den Rücken Wiserichs und lies sich zum Heidrunshof zurücktragen, wo die Sänger auf sie warteten.
Die Alte berichtete diesen von der Entscheidung des heiligen Gürtels. Die Sänger empfanden zunächst eine große Enttäuschung, da ihre heimatlichen Lande nicht auserwählt waren. Dann aber besannen sie sich und priesen die Weltenmutter, welche sich auf der Erde einen Gau erwählt hatte zur Wohnstatt und so den Menschen nahe war, wie niemals zuvor. Am nächsten Tage, in aller Frühe beschlossen die Sänger dann in das heilige Land zu reisen, welches sie zu Ehren des Brisinga men, Brisigau nannten.
So wurde der Breisgau, wie das heilige Land heute genannt wird, für viele Jahrhunderte zum Hort der Göttin und. Und selbst in diesen Tagen, lange Zeit nachdem die Kultur der Göttin auch in diesem Gau verschwunden ist, liegt der besondere Segen der Weltenmutter auf dem Lande, das vormals das Brisinga men zu ihrer Wohnstatt auf Erden erwählt hatte. An dem Ort, wo einst die Riesen den Tempel Freyas errichtet hatten steht heute das Münster Unserer Lieben Frau zu Freiburg, der Stadt, die den Namen der großen Göttin trägt. Und wer immer mit offenem Herzen durch den Breisgau wandert, wird sicherlich auch heute noch die Gegenwart der Göttin spüren.